Dez 29

Drei verschrumpelte Pastinaken und ein Rest Rotkohl waren noch im Kühlschrank. Aber was isst man dazu? Vielleicht etwas klassisch deftiges in der Winterzeit?

Leberbrot, Wurstebrot, Pastinakenpüree, Rotkohl

Leberbrot ist eine Kochwurst aus dem Münsterland aus Schweinefleisch, Leber, fettem Speck, Mehl und Gewürzen. Klassisch ist man sie mit Roter Bete oder gebratenen Apfelscheiben.

Dagegen ist Wurstebrot eine Grützwurst ebenfalls aus dem Münsterland und wird aus Blut (na, wer hat jetzt noch Appetit?), Roggenschrot, fettem Speck, Schweinefleisch, Mehl und Gewürzen hergestellt.

Im Winter isst man diese oft in Kombination. Beide werden als dicke Scheiben in der Pfanne gebraten - gegebenfalls zusammen mit Apfelscheiben oder -würfeln.

Bei mir gab es dazu Rotkohl und ein Püree aus gestampften Pastinaken mit Frischkäse und etwas Petersilie.

Geschrieben von Thomas "Balu" Walter

Dez 22

Schon seit Jahren lese ich das Blog "Essen kommen" von Ludger Freese. Ich habe ihn in seiner Fleischerei in Visbeck sogar schon zwei Mal besucht.

Ludger ist unheimlich kreativ, sowohl was die Nutzung des Internets angeht, als auch bei seinen Produkten. Und es ist immer wieder spannend und überraschend, auf welche Ideen er kommt.

Zum Relaunch seiner Webseiten hat er ein neues Gericht entwickelt: ein Social Media-Ragout. Hierfür hat er Produkte aus verschiedenen Ecken zusammengeführt: Lammkeulen aus Neuseeland, Curry aus Indien, Orangensaft aus der Kelterei Walther bei Dresden und feine Möhrenscheiben aus dem Oldenburger Münsterland.

Diese Kombination oder "Vernetzung" der Zutaten ist aber nur ein Teil dessen, was Social Media ausmacht. Der Begriff beinhaltet auch, dass die Netzgemeinde an sich beteiligt wird. Denn nicht nur die Vernetzung der Erzeuger ist wichtig, sondern vor allem auch die Meinung der Kunden.

Darum hat er an einige Besucher seines Blogs ein Glas zum Probieren geschickt. Er möchte, dass wir das Produkt bewerten, Empfehlungen weitergeben oder auch Kritik äussern und Verbesserungsvorschläge einreichen.

Freeses Lammkeulenwürfel in feiner Curry-Orangensauce

Im Web geht oft etwas schief, so hatte auch Ludger ein kurzfristiges Problem zu lösen. Ursprünglich sollte die Sauce in 500 ml Gläsern gekocht werden, aber dann waren nicht genug Gläser da. Also hat er kurzfristig auf 250 ml Gläser umdisponiert und uns auch den Grund dafür offen und ehrlich beschrieben.

Als Beilage hatte Ludger Rosmarinkartoffeln und Böhnchen, sowie ggfs. einen schönen Rotwein empfohlen. Aber wenn ich eine Curry-Orangensauce im Kopf habe, denke ich aufgrund des indischen Einschlags zuerst an Reis.

Da das Gericht im Weckglas geliefert wird, konnte ich einfach das Gummi abziehen und das Glas in der Mikrowelle erwärmen. Auch den Reis hatte ich bereits vorgekocht und konnte ihn schnell mit im Zauberkasten heiss werden lassen.

Die Lammkeulenwürfel und die Sauce haben mir gut gefallen. Das Lammfleisch war unheimlich zart und die Sauce schmeckte leicht nach Curry und einem Hauch Orange. Wenn ich das ganze noch ein zweites Mal esse, würde ich vielleicht noch mit ein wenig Curry nachwürzen.

Als Foodblogger interessiere ich mich auch immer für die Zutaten. Sie sind der Grund, wieso ich etwas länger darüber nachgedacht habe, wie ich über das Gericht berichten soll.

  • Lammfleisch (36%)
  • Fleischbrühe (30%)
  • Gemüse (12,5%)
  • Orangensaft (5%)
  • Sahne
  • Speisesalz
  • Kräuter
  • Gewürze
  • Sahnepulver
  • modifizierte Stärke
  • Maltodextrin
  • Aromen
  • Verdickungsmittel: Guarkernmehl
  • Hefeextrakt

Die Hauptzutaten sind ok, die würde ich auch in der Küche selber verwenden. Aber ab Sahnepulver wird es für einen kritischen Foodblogger problematisch. Warum setzt Ludger Sahnepulver ein, wenn er doch schon Sahne verwendet?

Maltodextrin wird wie modifizierte Stärke zur Verdickung, aber auch als Stabilisator, Füllstoff oder Konservierungsmittel benutzt. Mit dem Guarkernmehl sind dann drei Verdickungsmittel enthalten.

Ich vermute, dass diese Pülverchen dem Produktionsprozess geschuldet sind. Wenn die Sauce direkt im Glas zubereitet und geschlossen gekocht und so konserviert wird, kann die Flüssigkeit nicht wie im Topf durch Verdunstung angedickt werden. Auch in der privaten Küche verwendet man dann, wenn es z.B. schnell gehen muss, eine Mehlschwitze oder einen Slurry (wie heisst die Stärke-Aufschlämmung eigentlich im Deutschen? ;-)). Beides nutzt die Eigenschaft von Stärke, Wasser zu binden - genau wie die Produkte oben. Welche Vorteile bieten einem aber die oben aufgezählten Verdickungsmittel in der Produktion?

Hinter Aromen kann sich wiederum alles mögliche verstecken, sie sind nicht einmal als "natürliche" Aromen gekennzeichnet. Was wird hier im Detail genutzt und warum?

Und zu guter Letzt enthält es noch eine Zutat, die man auch immer mehr in anderen kommerziellen Fertiggerichten findet: Hefeextrakt. Hefeextrakt enthält freies Glutamat nicht in isolierter Form und gilt deshalb nach Gesetz nicht als Geschmacksverstärker. Darum besitzt es auch keine E-Nummer. In Tütensuppen wird oft "ohne Zugabe von Geschmacksverstärkern" geworben, aber dann doch Glutamat in Form von Hefeextrakt zugegeben. Keine Sorge - die Lebensmittelindustrie hat noch verschiedene andere Glutamatquellen in Petto, sollte Hefeextrakt auch einmal in Verruf geraten.

Über die Auswirkungen von Glutamat kann man streiten. Ich esse und nutze auch Glutamat, schliesslich ist es z.B. in Sojasauce, Parmesankäse oder Tomaten in relativ hoher Konzentration enthalten. Wenn es aber wie in der Industrie dazu genutzt wird, schlechte Ware geschmacklich zu "verbessern", werde ich misstrauisch.

Darum wundere ich mich, wieso Ludger einen Geschmacksverstärker in dieser Form überhaupt hinzufügt. Die Ausgangsmaterialien sind von guter, wenn nicht sehr guter Qualität. Es sollte nicht nötig sein, deren Geschmack künstlich aufzupeppen.

Das sind Fragen, die mich in den ersten Tagen nach Erhalt des Gerichtes beschäftigt haben. Und weil Ludger sich auch kritische Stimmen gewünscht hat, schreibe ich jetzt darüber. Denn genau dieser gegenseitige Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen, sowie die daraus entstehenden Diskussionen sind die Basis der "neuen" sozialen Medien. Und sie sind wichtig, weil sie jedem Mitglied der Netzgemeinschaft ermöglicht, Verbesserungen einzubringen, neue Sachen zu lernen und vor allem auch an andere weiterzugeben.

Und deswegen frage ich jetzt abschliessend natürlich auch: Habt Ihr auch etwas dazu zu sagen?

Geschrieben von Thomas "Balu" Walter

Dez 10

Warum mache ich auch den Fehler und schaue auf Zutatenlisten?

Unbehandelte Orangen zu bekommen ist heutzutage nicht einfach, selbst in Bioläden sind diese oft gewachst oder anders auf glänzend getrimmt. Natürlich kann man das Wachs gegebenenfalls abwaschen, aber den Aufwand wollte ich mir für ein kleines Experiment nicht antun.

Also habe ich mich im Supermarkt nach bereits geriebenen Orangenschalen umgeschaut und etwas von Dr. Oetker Finesse gefunden: Natürliches Orangenschalen Aroma laut Vorderseite "aus frischen Orangen für besonders natürlichen Fruchtgeschmack".

Orangenschalen-Aroma

Spannend ist dann die Zutatenliste auf der Rückseite:

Natürliches Aroma wird aus natürlichen Grundstoffen erzeugt und muss in der Natur vorkommen. Allerdings kann es auch sein, dass ein Himbeeraroma aus Holzspänen gewonnen wird.

Es ist in Deutschland aber gesetzlich vorgeschrieben, dass natürliche Aromen nur aus dem bezeichneten Lebensmittel stammen dürfen, wenn dessen Bezeichnung im Namen integriert ist. Natürliches Orangenaroma dürfte also wirklich aus Orangen(schalen) hergestellt worden sein. Im Gegensatz dazu kann "natürliches Aroma Erdbeer" aus anderen Quellen als Erdbeeren gewonnen werden.

Aber wieso wird hier erst Orangenaroma aus Orangenschalen gewonnen, um es dann mit Zitronen- und Grapefruitschalen, Zucker, Öl und anderen unaussprechlichen Zutaten wieder als Orangenschalen wirken zu lassen?

Ich verstehe die Lebensmittelchemiker einfach nicht, die sich sowas ausdenken....

Geschrieben von Thomas "Balu" Walter