Feb 29

Seit Monaten schon war er gefangen in diesem dunklen Raum. An Tag und Nachtrhythmus konnte er sich kaum noch erinnern. Nur sehr, sehr selten schien für einen kurzen Moment ein heller Lichtstrahl herein. In diesen Augenblicken konnte er sehen, dass er in diesem Gefängnis nicht alleine war. Es waren vermutlich hunderte, wenn nicht tausende Artgenossen, die sein Schicksal teilten. Er war also nicht alleine.

Schlimmer als die fast durchgehende Dunkelheit war aber die fürchterliche Kälte. Eine Kälte die ihm direkt aufgefallen war, als er das erste Mal in diesen Raum gelangte. Zuerst merkte er nur ein leichtes Frösteln an seiner Haut. Aber langsam, sehr langsam breitete sie sich weiter in ihm aus, bis er irgendwann endgültig erstarrte.


Sein Geist allerdings blieb die ganze Zeit über wach. Und er dachte nach. Er dachte nach darüber, was er getan haben müsste, um hier zu landen. Er dachte darüber nach, warum man ihn und seine Artverwandten eingesperrt hatte und auf diese fürchterliche Art quälte. Und er dachte darüber nach, was er tun würde, sobald er diesen Raum verlassen hatte. Viele Möglichkeiten der Flucht hatte er in seinen Gedanken durchgespielt. Irgendwann war er sich sicher, dass er es schaffen könnte. Er musste nur Geduld haben.

Heute schien dieser Moment endlich gekommen zu sein. Er merkte, wie die Starre sich erst in eine schwere, dann eine leichtere Trägheit verwandelte, wie die Temperaturen in seinem Gefängnis langsam stiegen und er kämpfte, um sich schneller wieder bewegen zu können, ja um endlich seinen Fluchtplan umsetzen zu können.

In kleinen Schritten näherte er sich der verschlossenen Tür. Der Tür, die er so oft öffnen und schließen gesehen hatte. Jedes Mal schienen ein paar mehr von seiner Art gefangen zu werden. Wie viele es wohl wirklich waren?

Erst jetzt bemerkte er, dass er nicht alleine war. Es waren bestimmt schon 10, 20 oder sogar noch mehr, die sich ebenfalls auf den Weg zur möglichen Freiheit machten. Sie sammelten sich an der Tür, untersuchten sie und schließlich fand einer von ihnen einen Weg. Der Rest folgte ihm. Langsam zwang sich einer nach dem anderen durch den schmalen Spalt. Er selber konnte es kaum noch erwarten. Er drängelte sich zwischen anderen hindurch, so sehr lockte ihn der Wunsch nach frischer Luft, nach Freiheit.

Schliesslich fand auch er den Spalt. Sehen konnte er immer noch nichts, aber er konnte fühlen, dass dieser Raum ursprünglich hermetisch abgeriegelt gewesen sein musste. Die dicke Tür war umgeben von einem weichen Material, das sich wie Gummi anfühlte. Allerdings musste es schon sehr alt sein, denn es war an vielen Stellen hart geworden und hatte Risse bekommen. Und einen dieser Risse nutzten sie jetzt zur Flucht.

Nachdem er endlich den schmalen Spalt durchquert hatte, blieb er stockend stehen. Hier war es zwar nicht mehr so kalt, aber es war immer noch stockdunkel. Und er schien an einem tiefen Abgrund zu hängen. Stück für Stück tastete er sich zum Rand. An diesem Punkt konnte er sich vorsichtig herablassen.

Zwischendurch bemerkte er, dass es noch mehrere Hindernisse auf dem Weg nach unten gab. Sie fühlten sich an wie riesige Gitter. Er schauderte leicht. Die Abstände zwischen den einzelnen Stangen waren enorm. Für jemanden seiner Größe war es ein leichtes, hindurchzuschlüpfen. Für welche Kreaturen waren also diese metallenen Stäbe gedacht?

Aber darüber wollte er nicht weiter nachdenken. Drei oder vier dieser Barrieren hatte er mit Leichtigkeit überwunden. Teilweise hatten ihn Artgenossen überholt, die sich vermutlich weniger Gedanken über diese Zellen machten. Er konnte sogar welche hören, die es wohl nicht an den Rand des Abgrundes geschafft hatten und jetzt an ihm vorbei fielen. Wie tief mochte der Abgrund sein? Würden sie den Aufprall überleben?

Endlich war auch er unten angekommen. Aber was war das? Der Boden war nicht so wie er es erwartet hatte. Er war kalt und hart und so glatt, dass sich fast ohne jeden Widerstand bewegen konnte. Seine Artgenossen sammelten sich anscheinend an einer Stelle der Fläche, die etwas tiefer gelegen war.

Auch er bewegte sich auf diesen Punkt zu. Kurz bevor er allerdings dort ankam, wurde es plötzlich hell. Schlagartig kam Bewegung in die Gruppe. Sie lief in Richtung des Lichts und riss ihn dabei mit. Er hatte gar keine andere Option, als mitzulaufen. Selbst, wenn er sich erst an die Helligkeit gewöhnen musste, sah er doch, dass man sich auf einen Abgrund zubewegte. Erst langsam, dann aber immer schneller werdend, getrieben von dem Wunsch nach Freiheit stürzten sie sich über die Kante.

Nach einem kurzen Fall trafen die Tropfen auf dem Küchenboden auf und verteilten sich in jede Ritze. Er schaffte es, wie einige der anderen auch, sofort zu verdunsten und schwebte jetzt mit der Luftströmung. Er war frei.

Eine kleiner Luftwirbel erfasste ihn und trug ihn fort. Er konnte nur noch eine leise Stimme hören, die sich entfernte. Kaum konnte er verstehen, was sie sagte. Aber es klang wie: "So ein Mist. Ausgerechnet jetzt geht dieser verdammte Kühlschrank kaputt. Das komplette Eisfach ist abgetaut. Sieh dir mal diese Pfütze an…"


Was? Hat Balu jetzt endgültig den Verstand verloren? Nein, seid beruhigt. Ich bin genauso bescheuert wie immer ;-). Nur habe ich mir dieses Mal überlegt, eine etwas andere Art von Beitrag zur aktuellen Blogparade Küchenausstattung - Großgeräte zu machen.

Mein Kühlschrank ist das einzige Großgerät, das ich in meiner Küche habe. Für einen Backofen war kein Platz, so dass ich mit zwei Herdplatten auskommen muss. Ich habe allerdings noch eine Heissluft-/Grill-/Mikrowelle, die mit 40 L Garraum ca. doppelt so groß wie die in normalen Haushalten ist. Die steht aber vor meiner Küche auf einem Regal, welches ich als "Küchenanbau" benutze.

Vielleicht habe ich ja Glück und gewinne den Kühlschrank, der dieses Mal verlost wird. Gebrauchen könnte ich ihn tatsächlich, da meiner langsam aber sicher den Geist aufgibt und nicht besonders Energiesparend ist. Und Platz neben dem Küchenanbau lässt sich bestimmt auch finden :-).

Meine Oma hatte übrigens nie einen Kühlschrank. Es gab einen Raum in der Wohnung, der nicht geheizt wurde. Dort wurden im Schrank ein paar Lebensmittel aufbewahrt. Im Sommer fanden sich die meisten Zutaten aber im kühlen Keller. Tiefkühlprodukte niemals. Dosen und Einmachgläser dafür umso mehr. Ich war davon immer beeindruckt. Denn mal ehrlich: Wer von uns könnte sich noch ein Leben ohne Kühlschrank vorstellen. Und geschmeckt hat es bei Oma sowieso immer am besten ;-).

Geschrieben von Thomas "Balu" Walter

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